Mami, Papi & Ich
Artikel RA Matthias Amberg Heft Nr. 8 / Oktober 2014
„Sogar Laura, meine beste Freundin hat mitgemacht! “
Meine kleine Tochter blickte mich empört an, wobei nicht nur ihre Augen vor lauter Tränen, sondern auch ihre nagelneue Zahnspange blitzte. „Nur weil ich eine Zahnspange trage, ärgern mich jetzt alle“.
Wer kennt das nicht. Auf einmal haben sich alle gegen einen verschworen und man wird geärgert. Gruppenzwang und das damit oft verbundene Mobbing ist ein allgegenwärtiges Phänomen, nicht nur unter Jugendlichen. Seit Jahren wird dieses soziale Phänomen erforscht. Untersuchungen haben ergeben, dass Gruppenzwang in allen Lebensbereichen, selbst bei Börsenspekulationen zu beobachten ist. Es gibt sogar Statistiken, aus denen sich ergibt, dass 32 Prozent aller Fehlurteile auf den Einfluss von Gruppenzwang zurückzuführen sind.
Gerade unter Kindern und Jugendlichen kann der Gruppenzwang dazu führen, dass ein Kind herausgegriffen wird, welches von der Gruppe drangsaliert, geärgert, schikaniert, also „gemobbt“ wird.
Selbstverständlich ist nicht jedes „ärgern“ gleich Mobbing. Vielmehr gehören kleinere Konflikte, Streitereien und Missverständnisse zum Alltag und sind völlig normal. Mobbing hingegen ist laut Definition ein gezieltes und dauerhaftes Angreifen, Schikanieren und Ausgrenzen einzelnen Personen.
Die Folgen von Mobbing sind oft schwer und können bei den Betroffenen zu massiven gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.
„Ich rufe Laura sofort an“, war meine Reaktion, nachdem meine Tochter mir von ihren Problemen erzählt hat. „Das machst Du auf keinen Fall!“ rief meine Frau. Zu Recht wies sie darauf hin, dass das Zur-Rede-Stellen der anderen Kinder wenig hilfreich ist. Dies kann das Mobbing vielmehr verstärken. Wesentlich hilfreicher ist es, dass eigene Kind dahingehend zu stärken, sich den Konflikten mit seinen Mitschülern zu stellen. Sinnvoll ist es, dem Kind zu Hause viel Anerkennung zu vermitteln, sodass das Selbstbewusstsein gestärkt wird. Kinder müssen lernen, die Konflikte selbst zu klären. Nur wer sich dieser Situation stellt, kann irgendwann das Gefühl haben, diese Krise aus eigener Kraft überwunden zu haben. Diese Erfahrung ist gerade für den weiteren Lebensweg sehr wertvoll.
Werden jedoch bei dem Mobbing Grenzen überschritten, wenn also das z.B. das Kind Gewalt oder seelische Grausamkeiten erdulden muss, ist es selbstverständlich unumgänglich, sofort aktiv zu werden. Insoweit gilt, dass Drohungen, Erpressung oder Nötigung, egal durch welche Maßnahmen, egal ob öffentlich oder nicht öffentlich, Straftaten sind, die geahndet werden müssen. Im Bereich des Mobbings sind insbesondere folgende Straftatbestände relevant:
Sind diese Straftatbestände erfüllt, sollte man nicht zögern und entsprechende Strafanzeigen machen.
Gott sei Dank stellte sich bei unserer Tochter heraus, dass der Konflikt, so belastend er auch auf den ersten Blick war, sich als normale Streitigkeit herausstellte. Nachdem wir mit unserer Tochter geredet hatten, stellte sie sich dem Konflikt und ging gestärkt aus dieser Situation heraus. Geärgert wurde sie nicht mehr. Dabei war sicherlich auch hilfreich, dass nicht nur ihre beste Freundin, sondern auch weitere Mitschülerinnen eines Tages mit blitzenden, neuen Zahnspangen auftauchten.
Matthias Amberg hat in Würzburg studiert und wurde 1999 zur Anwaltschaft zugelassen. Sein Anspruch war schon immer, über die rein juristische Perspektive hinauszublicken. Ihm geht es darum, Menschen in emotionalen Ausnahmesituationen zu begleiten und kreative Lösungen zu entwickeln, die auf die individuellen Bedürfnisse der Mandanten maßgeschneidert sind.
Matthias Amberg
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